{"id":182,"date":"2019-08-26T12:19:43","date_gmt":"2019-08-26T10:19:43","guid":{"rendered":"https:\/\/stueweconsulting.de\/blog\/?p=182"},"modified":"2020-05-18T10:48:15","modified_gmt":"2020-05-18T08:48:15","slug":"sharing-economy-epiphaenomen-oder-game-changer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stueweconsulting.de\/blog\/2019\/08\/26\/sharing-economy-epiphaenomen-oder-game-changer\/","title":{"rendered":"Sharing Economy &#8211; Epiph\u00e4nomen oder Game Changer?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.consulting.de\/hintergruende\/meinung\/einzelansicht\/sharing-economy-epiphaenomen-oder-game-changer\/\" >Co-ver\u00f6ffentlicht mit consulting.de<\/a><\/p>\n<p>Die Sharing Economy ist semantisch ein alter Hut. Sp\u00e4testens seit die Cebit (R.I.P.) die \u201eShareconomy\u201c im Jahr 2013 zu ihrem Leitthema erhoben hatte, war der kollaborative Konsum als Trendthema obsolet. Allerdings ist die wirtschaftliche Bedeutung der Sharing Economy heute viel gr\u00f6\u00dfer als zu Trendthemazeiten. In einer Studie sch\u00e4tzt z. B. PwC, dass die weltweiten Sharing-Ums\u00e4tze in den Bereichen Reisen, Car Sharing, Finanzen, Personalwesen sowie Musik und Video Streaming bis 2025 auf 303 Mrd. \u20ac steigen werden. Es stellt sich somit die Frage, ob mit dem Erwachsenwerden der Sharing Economy eine \u00f6konomische Zeitenwende eingel\u00e4utet wird oder ob es sich um eine weitere wirtschaftliche Modeerscheinung handelt.<\/p>\n<p><strong>Nutzen statt Besitzen<\/strong><br \/>\nDas Grundmotiv der Sharing Economy hei\u00dft \u201eNutzen statt Besitzen\u201c. Auch von Privatpersonen wird immer mehr hinterfragt, ob man sein Kapital in Eigentum binden soll oder ob man Dinge nur dann nutzen will, wenn man sie braucht. Der Sharing Economy liegt demnach der klassische Effizienzgedanke zugrunde: die Maximierung des Verh\u00e4ltnisses von Zielerreichungsgrad zu Aufwand. Warum soll man z. B. als Privatperson heute noch einen PKW besitzen, wenn man ihn durchschnittlich nur gerade einmal 45 Minuten am Tag in Betrieb setzt?<br \/>\nCa. 43 Millionen Autos stehen in Deutschland die meiste Zeit des Tages nutzlos herum. Summiert man Anschaffungskosten, Wertverlust, Kraftstoffkosten, Steuer, Versicherungen, Wartung und Reparaturen, so schl\u00e4gt nach Berechnungen des ADAC ein SUV monatlich mit 1.580 \u20ac und ein Golf immerhin noch mit 550 \u20ac zu Buche. Da fragt sich der geneigte Nutzer schon, ob sich der ganze Aufwand lohnt. Aber der Wechsel vom Besitz zum situativen Nutzen vollzieht sich nicht nur im Automotivesektor: Wohnungen kann man \u00fcber AirBnB teilen, Handtaschen bei rentobag mieten und Filme bei netflix streamen. Die Attitude des flexiblen Konsums greift immer weiter um sich und ver\u00e4ndert komplette Branchen und Wirtschafts-zweige. <\/p>\n<p><strong>Weitere Motive des besitzlosen Konsums<\/strong><br \/>\nAllerdings entspringt die Sharing Economy nicht nur dem Effizienzgedanken. Vielmehr dien-te sie schon in ihren Urspr\u00fcngen auch dem kollaborativem Konsum. Angefangen bei den Mitfahrgelegenheiten aus den 1970er Jahren \u00fcber die Musiktauschb\u00f6rse Napster bis hin zum Car Sharing stand das kollektive Nutzen von bestehenden Ressourcen im Vordergrund. Man wollte Dinge, die man selbst nur selektiv nutzte, dem Kollektiv frei zur Verf\u00fcgung stellen. Dieser urspr\u00fcngliche Hippie-Ansatz der Sharing Economy findet heute seine Fortsetzung in der Diskussion um die Nachhaltigkeit unseres Konsums. Ein PKW, eine Handtasche, eine Stadtwohnung oder eine DVD, die man nur einmalig oder selten nutzt, ist Ressourcenverschwendung und \u00f6kologisch nicht sinnvoll.<br \/>\nParadoxerweise bedient die Sharing Economy neben diesem Nachhaltigkeitsmotiv aber auch das g\u00e4nzlich unterschiedliche Motiv des apokalyptischen Hedonismus: will man immer die neusten, spannendsten, angesagtesten Produkte und Services nutzen bzw. zur Schau stellen, dann wei\u00df man die effiziente Vielfalt und Flexibilit\u00e4t des tempor\u00e4ren Konsums zu sch\u00e4tzen. Das Prestige von permanentem Eigentum nimmt ab und der auf Instagram zur Schau gestellte tempor\u00e4re Lifestyle gewinnt an Bedeutung &#8211; da k\u00f6nnen der n\u00f6tige Privat-Jet, der passende Schmuck und sogar die Prominenten f\u00fcr das Insta-Shooting auch gemietet werden.<\/p>\n<p><strong>Lohnt sich das?<\/strong><br \/>\nDie Sharing Economy bedient somit unterschiedliche und zum Teil paradoxe Motivlagen und ist gerade aus diesem Grund mittlerweile eine etablierte und weitreichende Anspruchshaltung der Konsumenten. Es ist nicht mehr fraglich, ob diese Anspruchshaltung von Bedeutung ist, sondern ob es sich f\u00fcr die Unternehmen wirtschaftlich lohnt, darauf einzugehen. Dabei ist zu beachten, dass der Einfluss der Sharing Economy auf bestehende Gesch\u00e4ftsmodelle weit \u00fcber die gemeinsame Nutzung bzw. den Mietkauf hinausgeht: der immaterielle Software- und Serviceanteil am Angebot steigt gegen\u00fcber dem materiellen Produktanteil, wodurch die Kunde-Anbieter-Interaktion ein fundamentaler Bestandteil zuk\u00fcnftiger Gesch\u00e4ftsmodelle wird.<br \/>\nDiese Integration der Kunde-Anbieter-Interaktion und die \u00dcbernahme des Kapitalbindungsrisikos durch den Anbieter steigert die Kosten zum Teil immens und \u00fcberfordert transaktionale Gesch\u00e4ftsmodelle. Die d\u00fcnnen Margen beim Car Sharing, dessen Gesch\u00e4ftsmodell generell nur in Regionen mit mindestens 3.000 Einwohnern pro Quadratkilometer funktioniert, ist nur ein Beispiel f\u00fcr diese Problematik. Es wird demnach in Zukunft entscheidend sein, welche Gesch\u00e4ftsmodellinnovationen die wirtschaftliche Nutzung der Sharing Economy erm\u00f6glichen. An dieser Stelle wird die Sharing Economy zum echten Game Changer und es wird spannend sein, die Disruptionen in den entsprechenden Branchen zu gestalten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Co-ver\u00f6ffentlicht mit consulting.de Die Sharing Economy ist semantisch ein alter Hut. Sp\u00e4testens seit die Cebit (R.I.P.) die \u201eShareconomy\u201c im Jahr 2013 zu ihrem Leitthema erhoben hatte, war der kollaborative Konsum als Trendthema obsolet. Allerdings ist die wirtschaftliche Bedeutung der Sharing Economy heute viel gr\u00f6\u00dfer als zu Trendthemazeiten. In einer Studie sch\u00e4tzt z. B. 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